Hallo liebe Leute vom Tierheim Uhlenkroog! Ersteinmal herzlichen Glückwunsch zur Einweihung des neuen Gebäudes – Ihnen und allen Ihren Tieren alles Gute! Am 14.9. waren wir bei Ihnen und haben den kleinen Kater ‚Skar‘ mitgenommen, der gemeinsam mit seinen beiden Schwestern etwa ein Jahr lang bei Ihnen war. Ich werde nicht vergessen, wie froh sie (also eine Tierpflegerin von Ihnen) waren, als wir uns für ihn interessierten und uns seine Vorgeschichte nicht abschreckte. Wir wollen Ihnen gerne berichten, wie Skar sich gemacht hat. Nachdem wir in unserer Küche den Deckel der Transportkiste geöffnet hatten, versuchte Skar erst die Wand hochzulaufen und dann durch die geschlossene Terrassentür zu entwischen – beides hat er zum Glück unbeschadet überstanden. Anschließend ist er unter das Sofa geflüchtet und wurde in den folgenden Tagen auch nicht mehr gesehen. Er zog ein „submobiliares“ Leben vor – unter dem Sofa, unter dem Schrank, unter der Vitrine, unter … Leider hat er auch nichts gefressen und nichts getrunken, was sich erst nach drei Tagen gegeben hat, denn der Napf war morgens leer. Zumindest muss er dann nachts sichtbar geworden sein – leider nicht für uns. Das änderte sich etwa eine Woche nach seinem „Einzug“. Die Zeit haben wir genutzt und uns einen neuen Namen für ihn ausgesucht – die Kreativität der Vorgänger in allen Ehren, verkommt „Skar“ akustisch doch eher zu einem unschönen Geräusch, wenn man es etwas lauter spricht oder ruft. Wir haben uns dann norddeutsch für „Hein“ entschieden (was auch nicht ohne Tücken ist, aber dazu später mehr). Am Anfang der zweiten Woche fing er an kleine Ausflüge in die dunklen Ecken des Wohnzimmers zu unternehmen und traute sich sogar hin und wieder auf die Fensterbank – alles in sicherer Entfernung zu uns. Nach 10 Tagen fühlte er sich manchmal so angst- und stressfrei, dass er anfing zu spielen – wenn auch nur alleine. Nachts mauzte und miaute er nun herzerweichend. Wir vermuten, dass er seine Schwestern vermisst. Nach weiteren 4 Tagen ein wahrhaftiger Meilenstein – mit langem Hals und großen Augen hat Hein aus der Hand gefressen. Bei Dämmerung wurde er nun immer mutiger und erkundete die „freigegebenen“ Wohnungsteile, was wir vorerst uneingeschränkt zulassen. Denn zum Glück ist er von Anfang an stubenrein und erfolgreicher Katzenklogänger. Aber Hein (nun manchmal auch „Heinrich“ oder „Heini“) ist in den nächsten Tagen immer noch sehr scheu und schreckhaft. Nach insgesamt fast drei Wochen kam er jetzt auch bei Tageslicht aus seinem Versteck und allmählich mussten wir ihm doch ein paar Spielregeln beibringen – so ist zum Beispiel eine Küchenspüle nun mal kein Platz für Haustiere (Halter von Zierfischen mögen das anders sehen). Da offenbart sich der Schwachpunkt unserer Namenswahl, denn „Hein“ und „nein“ ist klanglich recht schwer auseinanderzuhalten – auch für hochempfindliche Katzenohren. Und die Verwirrung ist auf allen Seiten vorhanden. Ich rufe nun immer einfach „ruuunter“ , wenn Hein etwas unerlaubtes macht, denn meistens ist er irgendwo unerwünscht raufgeklettert. Meine Frau versucht sich an einer Art Hupen-Tröten-Geräusch: „Öööögg“. Das mag semantisch-syntaktisch weniger falsch sein als „runter“, wenn Hein an der Rauhfasertapete kratzt – aber ich zucke dabei mehr zusammen, als die Katze. Seit Anfang Oktober spielt er nun auch mit uns und rennt nicht mehr panisch vor uns weg, wenn man sich mit alltäglichen Bewegungen durchs Haus bewegt. Wir haben nach und nach seine Lebenswelt um den Rest des Hauses und die Terrassenüberdachung erweitert. Diese war mit einem Katzennetz gesichert, sodass er sich aus sicherer Distanz mit dem Umstand vertraut machen konnte, dass die Nachbar-Grundstücke von jeweils einem Hund bewohnt sind. Insbesondere der Terrier-Mischling zur Rechten hat sich nicht gerade als Katzenfreund einen Namen gemacht – zum Glück ist er etwas in die Jahre gekommen, sodass wir im Falle eines Falles auf ein erfolgreich-friedliches Ausweichmanöver oder ein Unentschieden hoffen. Die nächsten Wochen haben wir weiter mit vertrauensbildenden Maßnahmen zugebracht – wobei das unbedingt beiderseitig zu sehen ist. Das Ziel ist, dass ‚Hein‘ irgendwann die Nacht draußen verbringt, Mäuse fängt, auf Bäume klettert, sich mit anderen Katern nur unblutig „anfreundet“ … und dann morgens artig vor der Terrassentür sitzt, wenn die Kaffeemaschine ihren Dienst aufnimmt. Und im Gegenzug kann er sich darauf verlassen, dass er rechtzeitig und ausreichend Futter bekommt (da ist er bereits sehr penibel!) und bei Bedarf Mal gekrault wird. Den Umfang an eingeforderten Streicheleinheiten dürfen wir als überschaubar annehmen, denn dass sich aus dem scheuen Undercover-Kater noch eine Schmusekatze entwickelt, ist nicht zu erwarten. Dachten wir … denn seit November springt Hein einem auf den Schoß, schläft einem auf dem Bauch ein, schnurrt einem um die Beine usw. Das Katzennetz ist demontiert und Hein ist nun „Freigänger“ und erkundet Garten und Umland. Die ersten Ausflüge waren für ihn sicher genauso spannend, wie für uns. Denn er kennt ja eigentlich nur das Tierheim und unsere Wohnung – Gräser, Vögel, Bäume, Büsche, Insekten, Strandkörbe, Komposthaufen, … alles Neuland. Und wir mussten hoffen, dass er uns als Mitbewohner akzeptiert und nicht auszieht. Bis jetzt klappt das prima. Einmal kam er ziemlich durchgenässt wieder – auch die Tücke eines wackeligen Deckels auf einer Wassertonne will entdeckt werden, aber ansonsten immer unversehrt. Mäuse hat er leider noch keine mit gebracht , aber dafür zum Glück auch noch keine Vögel. Mittlerweile ist er auch mehrere Stunden unterwegs. Wir haben ihn in weiser Voraussicht auf einen bestimmten Pfiff konditioniert, den wir immer vor der Fütterung flöten. So lässt sich Hein heimpfeifen. Da der Kater naturgemäß ziemlich nachtaktiv ist und sich nicht ohne lautstarke und türverschleissende Gegenwehr die ganze Zeit einsperren lässt, soll er ab April/Mai dann nachts draußen bleiben. Denn bei aller Liebe ist es doch ziemlich anstrengend nächtens mehrmals wachgekuschelt und um den Schlaf geschnurrt zu werden … sagt meine Frau. Also … Wir haben im September einen schwer vermittelbaren, superscheuen Kater mitgenommen. Wir haben ihm Zeit gegeben und es ihm überlassen, sich mit uns zu beschäftigen (wir hatten ja schonmal einen Kater, aber er noch keinen Menschen). Er hat sich in drei Monaten zu einem absoluten Bilderbuchkater entwickelt. Er ist freundlich und vorsichtig, nicht ‚fies‘ oder gefährlich. Er ist schmusig, wenn er will, und kommt auch in der ‚Wildnis‘ klar. Die lange Zeit im Tierheim, haben keine ‚Macken‘ hinterlassen. Ein Beweis der tollen Arbeit dort! Ich hoffe mein kleiner Bericht kann einigen Menschen etwas Mut machen, auch mal ein ‚schwieriges‘ Tier zu wählen. Mit Glück und Geduld wird das schon …